Information: Wissenswertes zu den Orientierungsarbeiten (FAQ)

1. Was sind Orientierungsarbeiten?

Zu Veränderungen in der pädagogischen Praxis, denen die Vorarlberger Schulen besondere Aufmerksamkeit widmen, gehört auch eine gemeinsame Reflexion über Unterricht und dessen Ergebnisse. Hier sollen Orientierungsarbeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wichtige Grundlagen für pädagogische und fachdidaktische Diskussion in den Schulen bieten.

Inhaltlich beziehen sich die Arbeiten auf den Lehrplan der jeweiligen Schulstufe und beruhen auf dem Kompetenzmodell der Bildungsstandards, welche seit 1. Jänner 2009 gesetzlich verankert und für österreichische Schulen verbindlich sind. Während die Bildungsstandards für die Sekundarstufe I österreichweit jeweils am Ende der achten Schulstufe getestet werden, können die Orientierungsarbeiten der Lehrerin, dem Lehrer bereits in den Schuljahren davor Hinweise zur besseren Erreichung der Standards geben. Anders als bei der österreichweiten Testung hat die Lehrperson auch Einblick in die Aufgabenstellungen. Dadurch soll das Kompetenzmodell veranschaulicht werden und die Aufgaben wollen Anregungen für die tägliche unterrichtliche Arbeit geben. Eine offene Diskussion von Aufgaben und Ergebnissen innerhalb der Schule kann auch spannende Reflexionsprozesse einleiten.

2. Wer nimmt an den Orientierungsarbeiten teil?

An den Arbeiten nehmen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in Vorarlberg teil. Herbsttermin: Fünfte (Mathematik, Deutsch) und siebte Schulstufe (Mathematik, Deutsch, Englisch)
Sommertermin: Fünfte Schulstufe (Mathematik, Deutsch, Englisch)

3. Wem nützen Orientierungsarbeiten?

SchülerInnen und LehrerInnen

Orientierungsarbeiten bieten eine Bestandsaufnahme zum Lernstand der Schülerinnen und Schüler, um daraus Schlussfolgerungen für die Gestaltung von Lernprozessen zu ziehen. Die Lehrperson erfährt durch die Ergebnisse wichtige Hinweise zur Förderung von Lerngruppe und Klasse.

Orientierungsarbeiten ermöglichen aber auch eine objektive Standortbeurteilung für jedes einzelne Kind und bieten dadurch eine Grundlage für Individualisierung im Unterricht, denn jedes Kind erhält ein persönliches, objektives Stärkeprofil. Die übersichtliche Rückmeldung kann als Grundlage für professionelle Elterngespräche dienen.

Orientierungsarbeiten können auch als Feedback für den Kompetenzzuwachs der Lernenden dienen und Hinweise zur Effektivität des Unterrichts und seiner Methoden geben.

Schule

Das Gesamtergebnis der Schule soll im Fachteam diskutiert werden. Orientierungsarbeiten können damit einen bedeutsamen Baustein für die Qualitätsentwicklung darstellen, der aber durch weitere Informationen ergänzt werden muss, um einen umfassenden überblick über die Qualität einer Schule zu erhalten.

Systemmonitoring

Aus den Ergebnissen aller Schulen wird ein Gesamtergebnis für Vorarlberg ermittelt, das für die betreffenden Fächer Hinweise über den Kompetenzstand der Schüler/innen an Vorarlbergs Schulen liefert. Damit soll auch ein Beitrag zur Evaluation und Entwicklung der Schulen geleistet werden.

4. Wo sind die Grenzen von Orientierungsarbeiten?

Orientierungsarbeiten sind keine Schularbeiten

Anders als Schularbeiten und Tests, die sich in der Regel auf die überprüfung eines bestimmten, vorher bearbeiteten Themas beziehen, erfassen Orientierungsarbeiten die Kompetenzentwicklung über einen längeren Zeitraum. Da der Stoff nicht in allen Lerngruppen in gleichem Umfang durchgearbeitet wurde, können die Ergebnisse der Arbeiten auch nicht zur Leistungsbeurteilung herangezogen werden.

Guter Unterricht ist mehr als Orientierungsarbeiten messen können

Die überprüften Kompetenzbereiche einer Orientierungsarbeit stehen zwar immer im Einklang mit dem Lehrplan und den Bildungsstandards, aber in einstündigen Arbeiten können nicht alle Kompetenzbereiche gleich gut abgebildet werden. Die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern umfasst ein weitaus breiteres Spektrum - sowohl in der Vermittlung von fachbezogenen als auch überfachlichen Kompetenzen. Obwohl Orientierungsaufgaben wertvolle Hinweise zu bestimmten Kompetenzbereichen liefern können, sollten sie nicht überbewertet werden.

Orientierungsarbeiten eignen sich nicht für Rankings

Orientierungsarbeiten können und wollen keine Aussagen zur Qualität von Schulen machen! Um Schulen untereinander vergleichbar zu machen, bedürfte es eines "fairen Vergleiches", in dem auf die Besonderheiten des Schulstandortes, wie Migrantenanteil, Nähe von Gymnasien und ähnlichem Bedacht genommen wird. Die angebotenen Vergleichsgrafiken stehen deshalb nur der jeweiligen Schule zur Verfügung und sollen als Grundlage für die weitere Schulentwicklung individuell in Zusammenhang mit den Gegebenheiten interpretiert werden.

5. Was geschieht mit den Daten?

Anonymität und Datenschutz sind uns ein großes Anliegen. Außer der Lehrperson kann deshalb niemand die Daten einem konkreten Kind zuordnen. Etwa drei Monate nach Durchführung der Arbeiten wird der Internetzugang gelöscht und es existieren nur noch aggregierte Daten.

Um sinnvolle Orientierung zu geben und gleichzeitig Missbrauch vorzubeugen, wird mit den Ergebnissen sehr sensibel umgegangen. So erfolgt die Rückmeldung für die Kinder durch einen Code, den - außer ihnen selbst - nur die Lehrkraft kennt.

WerRückmeldung
Kind, ElternEigene Leistungen in einem Stärkeprofil der überprüften Kompetenzen
Lehrer/inStärkeprofil des Kindes, Ergebnisse der Gruppe, Vergleich mit Gesamtheit aller Gruppenergebnisse, einzelne SchülerInnen
SchulleitungLeistungen der Schule und Vergleich mit der Gesamtheit aller Schulergebnisse
SchulaufsichtAllgemeine Informationen zum Leistungsstand, Vergleich AHS mit VMS

6. Wie erfolgt die Ergebnisrückmeldung?

SchülerInnen und Eltern

Die Rückmeldung erfolgt in Form von Grafiken, welche die erreichten Kompetenzen aus den Bildungsstandards darstellen. Ausführliche Beschreibungen und Erklärungen zu den Kompetenzbereichen sind ebenfalls bereit gestellt.

In Form eines individuellen Stärkeprofils werden die erreichten Prozentwerte zu den Aufgabenstellungen der jeweiligen Kompetenzbereiche veranschaulicht. 

Beispielgrafik: Deutsch

 


Lehrkräfte

Zusätzlich zu den Grafiken der einzelnen Schüler/innen und der Gruppenleistung können die Aufgabenstellungen sowie die Lösungshäufigkeit der einzelnen Aufgaben in Form einer Exceltabelle heruntergeladen werden. Eine Link- und Literaturliste mit Anregungen zur weiteren Unterrichtsarbeit ergänzen das Angebot.

7. Wie viel Arbeit kommt auf die Lehrperson zu?

Die Durchführung der Arbeit erfolgt am Beginn der 5. Schulstufe (Deutsch, Mathematik), am Ende der 5. Schulstufe (Deutsch, Englisch und Mathematik) und am Beginn der 7. Schulstufe (Deutsch, Englisch und Mathematik) direkt am PC. Es ist daher die Bereitstellung eines Informatikraumes notwendig. In Englisch ist zusätzlich ein CD-Player erforderlich. Die Lehrperson übernimmt die Beaufsichtigung.

Die vollständigen Ergebnisse können vier Tage nach Beendigung des Testfensters mittels Code eingesehen werden.

8. Warum ist das Zeitfenster für die Durchführung so eng/so groß?

Um einen realistischer Vergleich mit andern Ergebnissen zu ermöglichen, ist es notwendig, dass alle Arbeiten etwa zur selben Zeit gemacht werden. Dies gewährleistet auch eine Rückmeldung der schulübergreifenden Vergleiche in einem Zeitrahmen, in dem sie für Schülerinnen und Schüler noch interessant ist.

Es ist andererseits auch bekannt, dass manche Schulen Probleme mit der Bereitstellung von Informatikräumen haben und dass Sportwochen und ähnliches die Durchführung erschweren. Bei der Festsetzung des Zeitfensters wird deshalb versucht, die unterschiedlichen Aspekte zu berücksichtigen, die jeweiligen Termine werden in Absprache mit Schulaufsicht festgelegt.

9. Wir haben den Jahresstoff noch nicht fertig durchgenommen? Was sollen wir tun?

Orientierungsarbeiten am Ende der fünften Schulstufe finden immer einige Wochen vor Schulschluss statt, deshalb ist es naheliegend, dass der Jahresstoff noch nicht vollständig durchgenommen wurde. Da eine Einsicht in die Aufgaben besteht, lässt sich leicht feststellen, in welchen Bereichen nicht alle Punkte erreicht werden konnten. Erklären Sie dies auch ihren Schüler/innen.

Ein Vergleich mit allen Teilnehmer/innen ist insofern zulässig, dass die Voraussetzungen aufgrund des relativ engen Termins für alle gleich sind.

10. Darf ich als Lehrkraft vor Durchführung der Arbeiten den Stoff wiederholen?

Eine wichtige Funktion der Orientierungsarbeiten ist es, den Lehrerinnen und Lehrern Informationen über die Effizienz und Nachhaltigkeit ihres Unterrichts zu bieten. Gestalten Sie also Ihren Unterricht so, wie Sie das für richtig halten (und wie Sie ihn auch ohne Orientierungsarbeiten gestalten würden) und nützen Sie gegebenenfalls das Feedback für eine Qualitätsverbesserung (beispielsweise durch regelmäßige Wiederholungen). Ein gezieltes üben auf die Orientierungsarbeiten, damit die Kinder gut abschneiden, wäre kontraproduktiv und nützt niemandem.

11. Warum gibt es nicht mehr Orientierungsarbeiten? Für uns wären folgende Termine, Stoffgebiete, ... besonders wichtig ... ...

Wir wissen, dass Lehrer/innen unterschiedliche Bedürfnisse nach Diagnoseinstrumenten haben, können aber leider nicht alle Wünsche erfüllen. Das Bifie bietet im Rahmen der Bildungsstandards mit den "informellen Kompetenzmessungen" (IKM) zu allen Fächern und vielen Schulstufen sehr empfehlenswerte Arbeiten an, die im Laufe der kommenden Jahre noch erweitert werden sollen und für österreichische Schulen kostenlos durchgeführt werden können. Der Zugang erfolgt über Anmeldung durch die Direktion, weitere Informationen unter:  http://bifie.at/diagnoseinstrumente.

12. Wie entstehen Orientierungsarbeiten?

In Vorarlberg bestehen die Teams zur Erstellung der Aufgaben für jedes Fach aus vier Lehrer/innen, zwei davon aus der AHS, zwei aus der Mittelschule. Die Mitglieder haben bereits in der Pilotphase der Bildungsstandards mitgewirkt, im Bereich der Lehrerfortbildung gearbeitet, sind Leiter/innen von Arbeitsgemeinschaften und/oder Absolvent/innen des Universitätslehrganges "Fachbezogenens Bildungsmanagement".

In jedem Fach einigte sich das Team auf Aufgaben, deren Lösung sie von AHS-reifen Kindern erwarten und deren Inhalte ihnen als langfristig verfügbare Kompetenzen wichtig sind. Die Aufgaben sind konform zu den Lehrplänen und beziehen sich auf das Kompetenzmodell der Bildungsstandards.

Orientierungsarbeiten in Vorarlberg sehen sich nicht als abgeschlossenes Werk, sondern sollen auch durch Mitwirkung möglichst vieler Praktiker/innen weiter entwickelt werden. So ist eine Auseinandersetzung mit den Aufgaben ausdrücklich erwünscht. Im Rahmen einer Lehrer/innenfortbildung sollen die Aufgaben diskutiert, ihre Auswahl begründet werden. Es soll aber auch Platz für neue, bessere Aufgaben sein.

13. Wer sind die Autoren?


Team MathematikTeam DeutschTeam Englisch
Angela Mortsch
BRG Dornbirn Schoren
Thomas Wolf
BG Bregenz Gallusstraße
Ursula Röthlin
PG Riedenburg
Sabine Nussbaumer-Mitsche
NMS Höchst
Maria Hafele
NMS Lech
Elfriede Düngler NMS Schruns-Grüt
Herbert Hager
NMS Bezau
Thomas Rothmund
BORG Götzis
Doris Hirschmann
NMS Bregenz-Stadt
Stefan Riedmann
Riedenburg Bregenz
 Rainer Fischer
BG Lustenau

Gesamtkoordination Programmierung
Elfriede Düngler
NMS Schruns-Grüt
Hartwig Vogel, WebProfis

14. Welche weiteren Orientierungsarbeiten sind vorgesehen?

Orientierungsarbeiten stehen am Beginn und am Ende der fünften Schulstufe sowie am Beginn der siebten Schulstufe zur Verfügung.

15. An wen kann ich mich mit Verbesserungsvorschlägen wenden?

Wir freuen uns über alle Arten von Feedback, besonders über konstruktive Vorschläge zu Verbesserungen und neuen Aufgabenstellungen an: team@orientierungsarbeiten.at